Als mich meine damaligen Yogalehrerin Eva Ananya, vom gleichnamigen Studio in Wien fragte, ob ich denn an der Yogalehrerausbildung teilnehmen möchte war mein erster Gedanke: nein, ich kann doch nicht Yoga unterrichten, ich kann doch gar nicht alle Asanas die es gibt!

Kennst du das? Hast du auch manchmal das Gefühl, dass jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt ist? Nein, zuerst muss noch das Haus geputzt werden, die Wäsche gewaschen, das Kind größer, der Hund älter, die Gehaltsstufe erreicht, der Rasen gemäht, der Kurs angefangen oder eben jeden Tag jede Asana der Welt geübt werden.

Ich denke, wir alle legen einen gewissen Perfektionismus an den Tag, aber woher kommt der?

Unlängst habe ich eine schöne Definition gehört: „Perfektionismus ist ein Kleid, das sich die Angst anzieht.“ Wow dachte ich: genauso ist es. Perfekt sein zu müssen ist nichts anderes als die Angst zu haben bewertet zu werden. Es ist die Angst davor Fehler zu machen. Es ist vielleicht viel tiefer sitzend auch die Angst, nicht genug geliebt zu werden. Deshalb legen wir uns einen ganz schönen Druck auf, ja nichts falsch zu machen. Nur ich denke mir oft: wer bestimmt was falsch ist? Kann man sich überhaupt falsch entscheiden? Oder kann man eigentlich nur Erfahrungen am Weg sammeln?

Oft ist der Perfektionismus so versteckt oder anerkannt in unserem Alltag, dass er uns nicht mal auffällt. Hier zwei Beispiele aus meinem Umfeld:

Eine Freundin von mir, die total gerne eine Zeit im Ausland verbracht hätte ging so weit zu sagen: bevor ich in ein anderes Land gehen kann, muss ich die Sprache zu 100% beherrschen!

Was passiert hier?

Ein gewisser Perfektionismus kommt auf den Tagesplan, der uns davon abhält, wirklich mit unserem Herzensprojekt zu starten. Er beeinflusst auch, wie wir die Realität sehen. Bitte versteh mich nicht falsch: natürlich sollte man sich gut vorbereiten. Es macht Sinn, mir einen Grundstock einer Sprache anzueignen, wenn ich in ein anderes Land ziehen möchte. Oder zumindest sollte ich mit einer Sprache die ich kann und die auch dort gesprochen wird, die erste Phase überbrücken können. Aber es gibt abgesehen von dieser Voraussetzung noch gefühlt 1000 Möglichkeiten, diese erste Hürde auch zu überwinden. Um bei dem Thema Ausland zu bleiben:

Man könnte sich vorab für einen Sprachkurs anmelden. Da hätte den Vorteil dass man gleichzeitig auch Gleichgesinnte kennen lernt und Freunde findet.
Du könntest dich bei einer Familie oder WG einquartieren: hier musst du unweigerlich die Sprache sprechen.
Du kannst Gelegenheitsjobs machen, dich als Au pair anmelden, etc.

Das waren nur einmal 3 Ideen innerhalb von 10 Minuten.

Was dieser Perfektionismus aber in Wirklichkeit tut: es lässt unseren Blick eng werden. Immer wenn Angst im Spiel ist, wird es in unserem Körper eng, wird unser Energiefeld kleiner, wir setzen uns Scheuklappen auf und sehen anstatt der Möglichkeiten vor allem die Dinge die schief gehen könnten. Je nach Veranlagung interpretieren wir dann auch gleich die Gedanken und Gefühle anderer und fühlen uns schon schlecht bevor wir noch den ersten Schritt getan haben.

Hier ein kleiner Tipp. Das nächste Mal, wenn es dir auch so geht, überlege oder schreib dir sogar auf:

• Wovor habe ich Angst?
• Was hält mich davon ab, das zu tun was ich tun möchte?
• Welche Geschichten erzähle ich mir da laut oder leise?
• Kennst du diese Sätze aus deiner Kindheit? Hat es jemanden in deinem Umfeld gegeben, der das immer wieder gesagt hat, sodass du es übernommen hast?
• Was kann im allerschlimmsten Fall passieren?

Ich denke du solltest dich nicht überfordern. Es ist kommen Dinge auch oft zum richtigen Zeitpunkt auf dich zu. Allerdings schadet es nicht, mal zu hinterfragen, wo und was deine Bedenken sind und ob das wirklich deine sind. Und vor allem, lass dich nicht aufhalten! Mach dir lieber einen guten Plan und starte, als immer in der Theorie zu bleiben.
Wie stellst du dich deinem Perfektionismus, wenn er an die Türe klopft?

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